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Reisebericht Nordkap und Hammerfest

Reisebericht Nordkap und Hammerfest

Wir haben, aus dem >Baltikum< kommend, bei schönstem Wetter >Finnland< durchquert. Die angegebenen Links führen zu diesen Reiseberichten. Ursprünglich hatten wir gar nicht vor, soweit in den Norden zu reisen. Doch Corona macht‘s möglich. Corona hat uns aus dem restlichen Europa vertrieben. Der kühle Norden ist die einzige Region, in der man noch unbeschwert reisen kann bzw. konnte.

Wir wollen uns dieses Land etwas intensiver anschauen. Vorrangig interessiert uns die bergige Fjordlandschaft im Süden. Es wird sich aber ganz anders gestalten. Wir können uns vom Norden kaum losreißen und müssen den Süden komplett auslassen. Die Reise durch Norwegen wird 21 Tage dauern, vom 9. bis zum 29. August 2020.

1. Das Nordkap
2. Hammerfest
3. Eisbärenklub
4. Corona
5. Daten und Fakten


Finnland bescherte uns gigantisches Hochsommerwetter und wir erwarten in Norwegen natürlich nichts anderes. Aber Nor wegen, äh, Von wegen… Dauernieselregen wird uns die nächsten 3 Wochen begleiten

 

Das Nordkap

Bei strömendem Regen erreichen wir aus Finnland kommend die Grenze nach Norwegen bei Karigasniemi, also ganz im Norden Finnlands. Im Grenzort betanken wir unseren Felix nochmals randvoll, denn in Norwegen soll die kostbare Flüssigkeit noch teurer sein. Es schüttet wie aus Eimern und wir können den Grenzübergang kaum erkennen. Dieser scheint menschenleer zu sein.
Trotzdem: aufgrund eines Pflanzenvirus ist es strengstens verboten, Kartoffeln nach Norwegen einzuführen. Und wir haben Kartoffeln dabei. Eben erst gekauft. Schade… also weg damit, in die Tonne…

Wir tauchen in eine total andere Welt ein: nichts mehr mit Flachland, sondern Berge, Wasserfälle, Felsen, Fjorde, Schnee...
Wir tauchen in eine total andere Welt ein: nichts mehr mit Flachland, sondern Berge, Wasserfälle, Felsen, Fjorde, Schnee...

Die Landschaft verändert sich seit dem Grenzübertritt radikal. Plötzlich gibt es Berge. Birken und Kiefern sind nur noch dünn gesät. Karstlandschaft, Felsen. Wir fahren in einem Rutsch durch bis zur elend langen Zufahrtstraße zum Nordkap. Die Häuser werden bunter, Norwegisch eben. Die ersten Ausläufer des Nordmeers erreichen wir bei Lakslev. Der erste Fjord unserer Reise. Wir übernachten auf einem Parkplatz. Dort stehen bereits ein paar Wohnmobile, die meisten mit deutschem Kennzeichen. Sollten die nicht alle zuhause sein und sich vor Corona verstecken?
Nachts zwischen 12 und 1 Uhr wache ich einmal auf und stelle fest: es ist noch fast taghell.

Es wird unterirdisch. Also so richtig unterirdisch. Ein 6 Kilometer langer Tunnel unter dem Meer verbindet die >Nordkap-Insel< mit dem Festland. Unterm Wasser durch. Die Straße führt richtig steil hinab, unter den Meeresspiegel. „Uiuiui, ob das alles hält?“ fragen wir uns. Zum ersten Mal in meinem Leben befinden wir uns mit einem Fahrzeug unter Wasser. Es folgt noch ein Tunnel. Und alles kostenlos. Es wird bergig. Und plötzlich endet die Straße. An einem Parkplatz. Mit einer Schranke und Kassenhäuschen davor. Das Nordkap.

„Kostet 20 Euro!“  „Äh… was kostet 20 Euro?“  „Der Parkplatz!“  „Wie bitte?“  „Ja, und wenn ihr da drüben in das Gebäude mit der Toilette, dem Restaurant und dem Souvenirshop rein wollt, kostet es noch 20 Euro extra, pro Person. Film gucken nochmals 10 Euro pro Person!“  „Ähem… nee, was?“  „Doch! Ansonsten mach ich die Schranke nicht hoch…“

50 Euro Eintritt für den Besuch eines Restaurants und einem Souvenirshop zu bezahlen, ist schlichtweg absurd! Wir zahlen die 20 Euro für den Parkplatz und sind fassungslos!
Wir laufen über den schrägen und ungepflegt steinigen Parkplatz vor bis zur Klippe. Es ist windig und eiskalt. Sehr ungemütlich am Nordkap. Das ist einer der teuersten und schlechtesten Parkplätze weltweit!Nun befinden wir uns also am nördlichsten Punkt Europas, den man mit einem Fahrzeug erreichen kann. Aha.

Ein paar wenige Leute laufen vermummt auf und ab. Einmal zur Klippe vor, auf der ein eiserner Globus steht, Fotos gemacht, und schnell wieder zurück. Außer einer Felsenklippe und viel Wasser ist nichts zu sehen. Aber wirklich jeder macht ein Foto davon. Wir auch. Ein >Frostbeulenfoto<. Aber jetzt können wir sagen, wir waren am Nordkap. Irre. Der Wahnsinn! Muss man mal gemacht haben!

Das ist er... der nördlichste Punkt Europas. Dabei stimmt das noch nicht einmal. Zum nördlichsten Punkt ist noch ein mehrstündiger Fußmarsch notwendig...
Das ist er... der nördlichste Punkt Europas. Dabei stimmt das noch nicht einmal. Zum nördlichsten Punkt ist noch ein mehrstündiger Fußmarsch notwendig...

Die Besucherhalle am Nordkap. Das einzigste Gebäude dort. 20 Euro Eintritt pro Person, wenn man dringend auf die Toilette oder gar etwas kaufen möchte.
Die Besucherhalle am Nordkap. Das einzigste Gebäude dort. 20 Euro Eintritt pro Person, wenn man dringend auf die Toilette oder gar etwas kaufen möchte.

Wir laufen an der Rückseite des Gebäudes vorbei, um Schutz vor dem kalten Wind zu finden. Durch eine Tür gehen Leute ein und aus. Wir gehen ein. Also, durch die Tür ein, meine ich. Wie die andern auch.
Seltsam. Wo sind wir hier? Wir schauen uns alles an, kaufen etwas im Souvenirshop, und nutzen die Toilette im Restaurant. Wir kommen an einem Schalter vorbei. Man möchte unsere Tickets sehen. „Welche Tickets?“ frage ich ungläubig. „Raus..!!!“ war die Antwort.
Ach… so funktioniert das hier… Aber nun sind wir stolze Besitzer einer Nordkap-Kaffeetasse… und befinden uns wieder im Ekelwetter draußen.

Das klingt jetzt alles sehr ernüchternd, nicht? Ist es auch. Diesen Mist werden wir aber nie vergessen. Aber! Eben trotzdem! Da muss man einfach mal hinfahren. Die Fahrt zum Nordkap ist schon einzigartig. Das Gefühl, mal am trostlosen windigen Nordkap gestanden zu haben, ist schon grandios. Einzig, eine Tasse heiße Schokolade könnte dies noch übertreffen. Oder ein Glühwein. Oder doch wenigstens eine heiße Tasse Tee. Ja, Tee geht auch...

Zu sagen bleibt noch, und was die Preise vielleicht auch erklärt: im Juni/Juli in nicht-Corona-Zeiten ist der Parkplatz inklusiv der einzigen, 100 Kilometer langen Zufahrtsstraße völlig überfüllt. Man benötigt sehr viel Zeit und Geduld, denn die Schlange vor der Schranke ist dann sehr sehr lang!

Die Dörfer in Norwegen sind wirklich wunderschön. So bunt! Dies ist ein Dorf bei Hammerfest, wo wir übernachten werden.
Die Dörfer in Norwegen sind wirklich wunderschön. So bunt! Dies ist ein Dorf bei Hammerfest, wo wir übernachten werden.

 

Hammerfest

Zwei Tage später sind wir in Hammerfest.
Das soll die nördlichste Stadt der Welt sein. Wirklich? Wir sind doch bereits durch Städte gefahren, die noch ein Stück nördlicher lagen, z.B. Honningsvåg… Wir schauen im Internet nach. Ja, es ist so, es gibt noch weitere Städte mit gleicher Größe, nördlich des Breitengrades von Hammerfest. Das Problem ist die Definition einer Stadt. Ab wann ist eine Stadt eine Stadt? Inzwischen ist es so, dass Hammerfest einfach nur aus Tradition als nördlichste Stadt der Welt bezeichnet wird. Sie waren eben die ersten…

Hammerfest liegt eigentlich auch, wie das Nordkap, auf einer Insel. Diese Insel erreichen wir über eine gigantische Brücke. Im Winter wird diese Brücke öfter mal gesperrt. Manchmal soll man da aufgrund von "Whiteouts" die Hand vor den Augen nicht mehr erkennen können und die Orientierung verlieren.

Hammerfest kommt in Sicht, und uns bleibt der Mund offen stehen.  „Das ist ja eine richtig Stadt…“  In einem Buch von Bill Bryson wurde mir beim Lesen die Stadt Hammerfest als ein dunkles verschlafenes Nest vermittelt, in dem ab und zu mal jemand mürrisch die Straße entlang läuft und aus Langeweile Telefonbücher in einer Telefonzelle verbrennt. Und jetzt stehen wir vor einer supermodernen hellen Stadt mit Hochhäusern…

Das moderne Hammerfest. Sogar auf diesem Schild wird behauptet, es sei die nördlichste Stadt der Welt.
Das moderne Hammerfest. Sogar auf diesem Schild wird behauptet, es sei die nördlichste Stadt der Welt.

Und das alte Hammerfest - ein Foto aus dem Jahr 1890.
Und das alte Hammerfest - ein Foto aus dem Jahr 1890.

Parkplätze sind im Zentrum Mangelware und kosten Geld. Ich stehe mal wieder an einem Parkautomaten und verstehe… nichts. Ich tippe irgendwas ein und halte mein iPhone an den Automaten. Apple-Pay. Ja, auch in Norwegen wird praktisch alles bargeldlos abgewickelt, wie in Finnland. Ich habe Erfolg.

 

Eisbärenklub

Wir stehen am Hafen. Hier soll es den Königlichen Eisbärenklub geben. Wir wollen Mitglied werden. Ja klar, deshalb sind wir ja in die Arktis gefahren. Elvis Presley haben sie nicht als Mitglied aufgenommen, weil er nicht persönlich anwesend sein konnte. Mal sehen, ob wir das schaffen.

Wir schaffen das! Feierlich werden wir in das Royale Geschehen eingewiesen und werden ermahnt, wie man sich als Mitglieder des Norwegischen Königshauses zu benehmen hat. Wir sind tatsächlich geeignet. Unfassbar! Nun, angeblich fließen von meinen Urgroßeltern ja noch ein paar Tropfen Arisches Blaues Blut in meinen Adern. Aber was ist mit dem Zausel? Nehmen die auch Zausels auf? Sie nehmen! Wir werden mit einem Penisknochen und einem Glas Lebertran zu Rittern geschlagen. Diese Zeremonie haben wir bereits >hier< beschrieben.
Das alles hört sich an wie ein schlechter Witz. Ist es aber nicht. Dieser Club wurde tatsächlich vor vielen Jahren vom Norwegischen König mit allen royalen Regeln ins Leben gerufen. Und wir gehören jetzt wirklich bis zu unserem Ableben der königlichen Familie an. Irgendwie…

Die nördlichste der Meridiansäulen des russischen Forscher Struve. Das einzige technische Projekt in der Liste des UNESCO- WeltkulturerbesOb dies die berühmte Telefonzelle von Bill Bryson ist???Einen weiteren markanten Punkt gibt es in Hammerfest: Eine Meridiansäule. Vor über hundert Jahren wollte ein Forscher namens Struwe beweisen, dass die Erde nicht rund ist, also eher ein bisschen wie ein Ei. Um das zu tun, hat er 36 Jahre lang die Krümmung der Erde vermessen, von Hammerfest bis zum Schwarzen Meer. Auch darüber haben wir bereits berichtet >hier<.

Wir fragen nach der berühmten Telefonzelle von Bill Bryson. Eine einzige Telefonzelle soll es in Hammerfest geben und bei einem Bummel durch die Stadt finden wir sie auch. Verbrannte Telefonbücher liegen keine drin. Ein funktionierendes Telefon sucht man auch vergeblich. Die Box ist vollgestopft mit Büchern. Wie in allen abgeschalteten Telefonzellen in Skandinavien. Ein Bücherbasar. Findet man in Deutschland auch schon mal hier und da. Ist wohl Mode jetzt…
Aber ob dies die besagte Telefonzelle ist, ist sehr zweifelhaft.

Der Stolz von Hammefest: die moderne Kirche aus Stahlbeton.Der Stolz von Hammerfest: die moderne Kirche aus Stahlbeton. Einen Blick ins Innere gibt es >hier<.

Mehrere Kirchen gibt es in Hammerfest. Unter anderem eine Kirche der Methodisten, eine Katholische Kirche und die weithin sichtbare protestantische "Vorzeige"-Kirche. Diese nennt sich einfach nur „Hammerfest Kirke“. Die Bauform soll einen Bezug zu den Nordischen Stockfisch-Trockengestellen darstellen. Nachdem in der Vergangenheit Holzkirchen immer wieder dem Feuer zum Opfer fielen, baute man endlich ein Gebäude aus Stahl und Beton. Vielleicht in der Hoffnung, dass sie zukünftig auch dem Deutschen Vandalismus standhalten wird. Man bemerke: die Deutschen haben im 2ten Weltkrieg Hammerfest dem Erdboden gleich gemacht und alles niedergebrannt.
Noch ist die Kirche ja wirklich hübsch… noch.

Viele Häuser in Norwegen haben ein hübsches Grasdach. Die 'echten' Grashäuser der Samen sind komplett grasbewachsen.
Viele Häuser in Norwegen haben ein hübsches Grasdach. Die "echten" Grashäuser der Samen sind komplett grasbewachsen.

In Nord-Norwegen, wie auch in Finnland, ist das Volk der Samen zuhause, also die "Eingeborenen" der Gegend. Wie diese Sumpfleute hausen oder gehaust haben, kann man auch in Hammerfest erfahren. Es gibt sehr schön nachgestellte Behausungen der Samen. Oben auf dem Kliff von Hammerfest gibt es sogar ein uriges Restaurant im Samenstil. Wohnen hier die Hobbits?Diese Häuser bestehen hauptsächlich aus Gras bewachsenen Zweigen und aus Erde. Manchmal hat man den Eindruck, man steht vor einem Erdhügel und wundert sich über die eingelassenen Fenster. In Norwegen gibt es überhaupt viele Häuser mit urigen Grasdächern.

Das Kliff oberhalb der Stadt bietet eine fantastische Sicht über Hammerfest, über den Hafen und über die ganze Fjordlandschaft. Viele Berge am Horizont sind bis in die Niederungen schneebedeckt. Und das mitten im August.

Stichwort Landschaft... genau! Wir haben zwar noch kaum etwas von Norwegen gesehen, sind aber jetzt schon von der Landschaft überwältigt. Und das Schönste soll ja erst noch kommen. Finnland und das Baltikum sind im Vergleich zu Norwegen schon fast langweilig. Die Norweger sind auch irgendwie sehr farbenfroh. Bunte Häuschen, knallrot, knallblau, knallgelb und knallgrün. Das gefällt mir.


 

Corona

Den Umgang mit dem Mundschutz nimmt man in Finnland noch um einiges gelassener als im Baltikum. Hier in Nord-Norwegen bekommen wir den Eindruck, es gibt gar kein Corona. Doch eines gibt es auch hier und wird kosequent genutzt: Desinfektionsmittel.
Auch in Norwegen bestehen für Touristen aus Deutschland keine Einreisebeschränkungen. An der Finnisch-Norwegische Grenze fanden keinerlei Kontrollen statt. Die Grenzübergänge waren unbesetzt.


 

Ein ungestörter Übernachtungsplatz in einer Bucht bei Forsøl nördlich von Hammerfest.
Ein ungestörter Übernachtungsplatz in einer Bucht bei Forsøl nördlich von Hammerfest.

HIER GEHT ES ZUM ZWEITEN TEIL DES NORWEGEN-REISEBERICHTS: >Reisebericht Nord-Norwegen<

DATEN UND FAKTEN ÜBER NORWEGEN: (ist noch in Arbeit)

 

Julie

Geschrieben von : Julie

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Der Trackspatz guckt immer erst mal drauf, ob's sich nicht schon wieder um Werbe-Spam handelt

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Für so ein Foto fahren wir fast 4000 Kilometer nach Norden! Verrückt!