Trackspatz auf Weltreise

Der Heilige Geist „on the road again“

Der Heilige Geist „on the road again“

Am letzten Donnerstag hatten wir ja einen eindrücklichen Gottesdienst in Thessaloniki.

Ein eigener Bericht folgt noch. Man verzeihe mir die nicht kalendarische Reihenfolge.

Mittlerweile sind wir in Mazedonien. Schwierig.

Mazedoniens Religionen dröseln sich so auf: Zwei Drittel mazedonisch-orthodox, ein Drittel muslimisch – bleibt für alle anderen zusammen … nichts.

Fast.

Ein paar Versprengte von anderen Glaubensrichtungen halten tapfer die Stellung. Man muss sie nur finden.

Oder sie einem von Gott vor die Nase setzen lassen.

Also, für den Sonntag hatten wir absolut keine Erwartungen. Es geht schon mal „ohne“. Dachten wir.

Am Samstag hatten wir Sch … - wetter sowie üble Erfahrungen mit den Ordnungshütern in Strumica sammeln dürfen. Am späten Nachmittag suchten wir jetzt nur noch – ein wenig angefressen – ein ruhiges Plätzchen für Felix und uns zum Übernachten. Die „grottenschlechte“ Landkarte empfahl uns eine Gegend mit etlichen Dörfern und kleinen Sträßchen. Da sollte sich doch etwas finden lassen. Das letzte Dorf namens Koleshino, das wir ansteuerten, und das der Reiseführer wegen eines schönen Wasserfalls empfahl, ist nicht mal in der Karte verzeichnet.

Wir passierten mehrere Dörfer, und abseits der Straße ergab sich: Nichts. Niente.

Jedes Dorf hatte mindestens eine Kirche. Orthodox auf mazedonisch – also nichts für uns.

Den Sonntag hatten wir also schon abgeschrieben. Wirklich nur noch Platzsuche. Aber keine Chance: Eine Plantage reihte sich nahtlos an die andere, der Rest privat bebaut. Schließlich kamen wir nach Koleshino als letzten Ort und führen an der Kirche vorbei. HALT!!!

Aus dem Augenwinkel erhaschte ich gerade noch einen Blick auf ein Zeichen an der Außenwand, das mir bekannt erschien: Das Kreuz mit der Flamme, das Zeichen für die methodistische Kirche.

Hallo??? Hier am Ende der Welt? Natürlich hielten wir, um das im Bild festzuhalten. Beim Weiterfahren sahen wir einige Männer auf dem Kirchengelände, die dort eine Wippe für die Dorfkinder aufbauten.

Etwa einen Kilometer weiter schlug ich mir vor die fliehende Stirn: Warum nicht mal fragen, ob nicht am nächsten Tag Gottesdienst ist? Sicher sprachlich problematisch, aber man kann nicht alles haben.

Also kehrt gemacht und zu den Männern hin marschiert. Frage nach dem Gottesdienst. Mit Jochen hatten wir gerade den Gemeindeleiter erwischt. Er sprach ein paar Brocken Englisch. Klar, Gottesdienst um zehn. Herzlich willkommen.

Methodistenkirche in Koleshino Mazedonien

Als sie mitbekamen, dass wir ein Fleckchen zum Übernachten suchten: Wo ist das Problem? Hier auf dem Rasen ist Platz genug. Einer der Männer trabte gleich los, um für uns Toilette und Waschraum aufzuschließen. Inzwischen war einer schon losgewetzt, um einen anderen von zu Hause zu holen, der leidlich Deutsch spricht. Ob wir noch etwas brauchen? Nein?

Und schon waren wir „zu Hause“.

Flugs waren wir Ortsgespräch, und schließlich kam noch die Gemeindejugend angedackelt, um uns auszuquetschen.

Wieso suchen wir überhaupt noch Plätze, wenn wir sie wie schon des Öfteren als Traumplätze vor die Füße gelegt bekommen? Kleiner Tipp: Beten hilft.

Die Nacht war problemlos, aber kurz: In dem Dorf wird offenbar jeder, wirklich jeder Weg mit dem Traktor zurückgelegt. Und das sind laut brüllende Dinger. Und der Tag fängt mit diesen Dingern auch am Sonntag noch vor sechs Uhr an. Man fühlt sich wie auf einer Oldtimer-Traktorparade direkt neben dem Bett. Irgendwie witzig.

Als wir dann nach einem knappen Frühstück die Kirche betraten, wurden wir sofort in die „Ehrenloge“ komplimentiert. Ansonsten sitzen Weiblein und Männlein strikt getrennt. Frauen links, Männer rechts. Nur wir durften zusammensitzen. Einen Pastor hat die Gemeinde nicht. Dafür eine Orgel.

Und einen langsamen Organisten. Die Lieder wurden also „getragen“ gesungen. Nutzte uns aber nicht: Die Liederbücher sind auf kyrillisch gedruckt.

Die Predigt wurde von einem Laien gehalten und dauerte etwa 50 Minuten. Und doch wurde uns nicht langweilig. Die Atmosphäre des „zu Hause in der Familie“ zu sein, war bewegend genug.

Methodisten Koleshino Gottesdienst

Nach dem Gottesdienst hatten wir noch viele, viele schöne Gespräche, wobei Sprachprobleme kaum eine Rolle spielten. Sogar ein Australier, der in dem Dorf geboren ist und nur ein paar Wochen zu Besuch ist, war als Dolmetscher dabei. Und viele Ältere waren irgendwann einmal einige Zeit als Gastarbeiter in Deutschland.

Gottes Wege …

Dann wurde es noch ein wenig knifflig: Von mehreren Seiten wurden wir zum Kaffee und zum Essen eingeladen. Wir wollten niemanden vor den Kopf stoßen, konnten aber nur eine Einladung annehmen. Ein jüngerer Fernfahrer, der hinreichend Deutsch spricht, bewirtete uns schließlich mit seiner Frau, und wir hatten viele interessante Gespräche, durch die wir noch viel über Mazedonien lernten.

Schließlich wanderten wir noch gemeinsam zu dem im Reiseführer beschriebenen Wasserfall. Er ist wirklich beeindruckend.

Aber wir beide sind wahrscheinlich die einzigen Touristen, die wissen, dass Koleshino noch viel, viel Wichtigeres und schöneres zu bieten hat als einen Wasserfall.

Familie Koleshino (Methodisten)

 

Zausel

Geschrieben von : Zausel

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