Trackspatz auf Weltreise

Gipfeltreffen mit Jesus

Gipfeltreffen mit Jesus

St Georges Anglican Church TaorminaJesus folgen – gar nicht so einfach.

Aber lohnend.

Wir versuchen auf unseren Reisen ja immer, am Sonntag möglichst einen Gottesdienst aufzusuchen.

Dafür haben wir natürlich eine Prioritätenliste:

Gut erreichbar.

Protestantisch (oder verwandt – katholisch ist schwierig).

Deutsch oder englisch.

In Tunesien gelang uns dies zweimal, jeweils in Sousse. Wir berichteten.

Auf Sizilien ist die Sache etwas problematisch: Es gibt so gut wie ausschließlich katholische Kirchen – und einen evangelischen Pfarrer für die gesamte Insel. Der organisiert Gottesdienste jeden Sonntag in einer anderen Stadt. Und an diesem Wochenende war er überhaupt nicht auf der Insel. Aber vielleicht probieren wir mal ganz was anderes?

Wie Julie bereits schrieb, hatten wir am Sonntag, dem 30.4., wieder Glück: Wir fanden im Internet einen Sonntagsgottesdienst der anglikanischen Kirche in Taormina. In englischer Sprache. Warum nicht mal die Anglikaner ausprobieren? Nichts wie hin.

Taormina

Taormina

Taormina liegt als Kleinstadt auf einem Berggipfel und ist die Stadt Siziliens mit der größten Touristendichte. Schon die Hinfahrt war dramatisch: Von unserem Übernachtungsplatz zur Kirche waren es laut GPS gut 700 Meter. Fahrstrecke, jedoch per Auto über sieben Kilometer durch ein Verkehrswirrwarr der unfassbaren Sorte. Schon lange vor dem Ortszentrum alles verstopft. Aber auf wundersame Weise fanden wir nach einigem Herumirren etwa 200 Meter von der Kirche den augenscheinlich letzten Parkplatz eines Anbieters, der das Grundstück fallweise anbietet. Nur die Kirche war nicht zu sehen. Die liegt direkt an der Straße, ist aber etliche Meter hangabwärts gebaut, so dass man sie von der Straße schlicht nicht sieht. Sehen tut man nur Mengen von Touristen, die als kompakte Masse durch die Straßen und die Souvenirläden strömen. Es war eine Minute vor Gottesdienstbeginn, als wir eine Dame nach der Kirche fragten – und wir doch wirklich eine seltene Einheimische erwischten, die uns sofort die Richtung zeigen konnte. Und just in diesem Augenblick läutete auch noch die Glocke. Wir stürzten über die Straße, die Treppe hinab – und erreichten den Gottesdienst auf die Sekunde. Der Herr kennt Timing.

St George's Church

Was für ein Kontrast: Draußen drängen viele tausend Menschen plan- und ziellos durch Gassen und Straßen, hier drin lobt ein knappes Dutzend Glaubensgeschwister den Herrn in Ruhe und Anbetung. Ich empfand ein starkes Gefühl des Nachhausekommens. Ja, das ist Familie.

Die Liturgie: mir mittlerweile ungewohnt geworden, aber doch vertraut. Wesley statt Albert Frey. Der Pfarrer, zwar in einem wie ich immer sage putzigen Kleidchen, aber doch in seiner ganzen Erscheinung voll in dieser Welt und im Leben stehend. Die Predigt rauscht leider ein wenig an mir vorbei: Meine Ohren sind nicht mehr die besten, und die Akustik ist dürftig. Julie hält mich so gut es geht auf dem Laufenden. Und das ist nicht ohne: Zentrales Thema ist der Frieden – und damit einhergehend diejenigen, die dafür Verantwortung übernehmen. Und der Pfarrer wirft die einfache Frage auf, die aber (auch von mir) sonst praktisch nie gestellt wird: „Jeder mahnt Frieden an – aber wer will ihn eigentlich ernsthaft? Jeder fordert ihn vom anderen, aber wer will schon selbst dafür in Vorleistung treten wie Jesus es tat?“

Die Predigt löste in mir Gedanken und Überlegungen aus, die so simpel scheinen, aber doch erst mal reifen müssen.

Kirche Taormina

Nach dem Gottesdienst noch „Kirchenkaffee“ - aber ohne Kaffee, sondern mit Tee und Wein (!!!).

Und dann hatte uns der Trubel wieder. Auffallend waren bewaffnete Soldaten an allen möglichen Ecken des verwinkelten Städtchens: Sie halten schon mal die Augen auf für den 26. und 27. Mai. Da findet in Taormina der nächste G7-Gipfel statt. Mit Merkel, Trump und den anderen „Großen“ der Weltpolitik. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie das dann aussehen wird.

Einen ganz wichtigen Tipp können wir aber jetzt schon weitergeben: Am 25. kommen wohl die größten Wichtigtuer zum „G7-Gipfel) zusammen, wir aber waren schon zum allerwichtigsten Gipfel dort, dem „G1-Gipfel“.

Ätsch

Mit Blick zum Ätna:

Ätna

Zausel

Geschrieben von : Zausel

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