Der Gimpel (auch als Dompfaff bekannt) steht auch als Begriff für Ungeschicklichkeit und Dummheit. Julie kann bezeugen, dass er NICHT vom Aussterben bedroht ist. Aber hier wollen wir etwas über unsere Ausrüstung erzählen. Und dazu gehört ein Teil, das ebenso neu wie genial ist: Das Gimbal.

Jeder kennt die armen Fernseh-Kameramänner, die ihre Kameras an um den Körper gegurteten Schwebestativen (Steadycams) rumschleppen. Die sollen Ruckeln und Wackeln von den Kameras fernhalten und nur weiche Bewegungen an sie weiterleiten. Wahre Monstergeräte, die durch Trägheit der verschieden positionierten Gewichte (!) Ruhe ins System bringen.

Ein Gimbal macht im Grunde dasselbe, aber kleiner und vielseitiger: Die Kamera bedindet sich mit dem Schwerpunkt in der Mitte einer kardanischen Aufhängung, bestehend aus drei Gelenken. Und diese Aufhängung wird durch hochpräzise Schrittmotoren gesteuert. Dadurch wird das ganze „Gelersch“ erst mal erheblich kleiner und leichter. Und durch die aktiven Antriebe kann man das System auch noch präzise steuern, und das Verhalten bei Bewegungen ist programmierbar. Z.B. kann der Kameramann sich beliebig um die eigene Achse drehen, und die Kamera schaut unbeirrbar stets in dieselbe Richtung.

Es gibt da aber ein gravierendes Problem: Die Kamera braucht ja Platz innerhalb der kardanischen Aufhängung, und da muss ihr Schwerpunkt präzise in die Gelenkmitte gebracht werden. Das schränkt die Möglichkeiten ein. Eine Canon EOS 1D mit 600er Teletüte passt da nicht, weder von den Abmessungen noch vom Gewicht her. Und da mittlerweile fast nur noch mit Spiegelreflex-Fotoapparaten gefilmt wird, sind fast alle Gimbals auch nur für solche Kameras ausgelegt. Kameras im Camcorderformat sind vom Längsformat und von der Schwerpunktlage her in diesen Stativen nicht verwendbar. Irgendwo stoßen die immer an, und das Sucherdisplay kann man sowieso nicht mehr ausklappen. Und unser 3D-Camcorder hat eben dieses Format. Sch … aber auch!

Aber halt: Einen gibt es, mit dem das doch geht: Der Came-TV Optimus ist gerade so dimensioniert und dass es kollisionsfrei abgeht.Optimus mit Sony HDR-TD30 Wenn man ein wenig trickst. Wir haben uns ein Stahlklötzchen mit genau 113 Gramm angefertigt und mit Klett an der Kamera befestigt. Perfekt. Und da diese mit unterschiedlich großen und schweren Akkus betrieben werden kann, haben wir dafür auch noch ein Ausgleichsgewicht angefertigt. So muss man beim Akkuwechsel nicht immer das System neu ausbalancieren. Außerdem hat dieses Gimbal keinerlei Anschläge, sondern kann sich völlig frei in jeden beliebigen Winkel drehen. So kann man – auch während des Filmens – die Griffe einfach nach oben drehen, um in Bodennähe weiterzufilmen. Und vieles andere mehr.

Und die Praxis? Atemberaubend. Mit dem Optimus kann man praktisch seinen eigenen Hürdenlauf filmen, ohne beim Betrachten seekrank zu werden. Wackler werden völlig eliminiert, und trotzdem kann man die Kamera präzise führen. Man kann das System auch irgendwo hinstellen und per Fernsteuerung die Kamera in jede beliebige Richtung drehen.

Zwei Wermutstropfen: Unauffällig ist man mit dem Teil nun wirklich nicht. Und so mancher, der dann in einem einen professionellen Filmer vermutet, wird wohl eher abwehrend reagieren, wenn man ihn aufnehmen möchte.

Na ja, und zweitens: Das Gimbal Optimus in dieser Qualität kostet deutlich mehr als der 3D-Camcorder selbst. Aber der Qualitätsgewinn bei Aufnahmen ohne festes Stativ ist einfach gigantisch.

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