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Die Geburt von Felix

Felix durch die Felsen Felix in der Wüste Felix durch die Schlucht Typisches Camp mit Felix
 
 
2014 waren wir – rein aus Neugierde – auf der „Abenteuer Allrad“ in Bad Kissingen. Wir besaßen einen Hyundai Santa Fé Allrad mit Dachzelt, mit dem wir tolle Reisen unternommen haben, der aber abseits des Asphalts trotz sogenannten Allrads arg, arg früh an seine Grenzen stieß Das war nix. Nun, mal gucken: Gleich vorn hinter dem Eingang stellte die Fa. Nestle ihren aufgebrezelten Toyota Hilux aus. Upps machten wir beim Anblick des Preisschildes und fragten uns, wer denn wohl für einen simplen Pritschenwagen über 50.000 Euro hinblättert. Heute wissen wir es.
Auf demselben Standplatz stellte die Fa. Exkab des Christian Loh auf eben diesem Hilux ihre Expeditionskabine Exkab 2 aus: Auf den ersten Blick robust. Gefaltetes Alu-Riffelblech in Panzerknackerausführung, als Mobiliar Gemüsekisten in Alu-Rohren, die Möbelflanken aus heimeligem Alu-Dibond und eine Einstiegstür für gelenkige Pygmäen. Fenster wie Schießscharten und das Ganze auf die Pritsche gespannt mit Ketten wie vom Schiffshebewerk. Kuschelig ist was anderes.
Der zweite Blick offenbarte dann unendlich viele wohl durchdachte Details. Und ein riesiges Bett von 2,0 x 1,6 Meter. Das findet man nicht mal im teuren integrierten Hymer oder Bürstner. Wir wissen das, wir hatten mal einen vergleichsweise gigantischen Hymer mit Bettenbreite 1,35 m. Da müssen sich immer beide zusammen umdrehen. Aber wir wollten ja erst mal gucken. Natürlich haben wir uns auch noch alle anderen Angebote auf der Messe angeschaut, und viele haben uns auch angesprochen. Aber alles, was Geländetauglichkeit, Robustheit und praktische Handhabung verband, rückte preislich in die Nähe der Sechsstelligkeit. Sind wir bekloppt oder was? Aber wir hatten ja eh nur mal gucken wollen.
Im Frühjahr 2015 nahm der Gedanke an ein Expeditionsmobil immer mehr Gestalt an. Und wir machten eine kleine Rundreise durch Deutschland, um uns noch mal bei Herstellern und Vertreibern kundig zu machen. Auch schauten wir uns vergleichsweise preisgünstige Autos an, die ja wohl „reichen“ würden. Ach, vieles gefiel uns. Anderes gefiel uns gar nicht. Was nie und nimmer in Frage käme, wäre eine Kabine wie z.B. die Tischer oder eine Bimobil: Da kann man sich doch besser gleich ein „richtiges“ Wohnmobil mit noch mehr Komfort für weniger Geld kaufen. Mit den Dingern kommt man ja nicht mal durch ein spanisches Bergdorf, und auf die Frage nach dem Fahrverhalten kann man doch nur mit „NEIN!“ antworten. Für uns: Kabine nicht breiter als das Auto, Schwerpunkt möglichst tief und möglichst weit vorn.. Und keine Rüttelpiste darf dazu führen, dass sich die Kiste zerlegt. Auch nicht nach tausenden von Kilometern.
Und schließlich landeten wir wieder bei Christian Loh und Exkab und bei Toyota und dem Hilux. Der Laden hat Lieferzeiten. Nicht zu knapp! Aber: Es war noch ca. 6 Wochen bis zur nächsten Abenteuer Allrad, und Loh hatte gerade mit der dafür vorgesehenen Ausstellungskabine begonnen. Also in relativ aufwendiger Ausstattung. Und die kam uns bis ins Detail entgegen. Nach etwa einer Woche Bedenkzeit fuhren wir also noch mal hin und klopften die Sache fest. Es sollte also „unsere“ fertige Kombination dort ausgestellt werden, und wir sollten sie von dort direkt mitnehmen.
Praktischerweise verkauft Loh das Auto auch gleich zusammen mit der Kabine. Es ist also alles aus einer Hand, wobei der Service fürs Auto nach wie vor bei Nestle liegt. Egal an wen von den beiden man sich wendet – es wird kompetent geregelt.
Es ist ein Toyota Hilux 1 ½-Kabiner Jahrgang 2015 in Comfort-Ausstattung. Eigentlich war schon das 2016er Modell auf dem Markt, aber wir wollten noch den „alten“ haben, weil der noch auf Euro 5 ausgelegt ist. Der 2016er ist auf Euro 6 gepfriemelt, und das kann im exotischen Ausland bei mieser Spritqualität schwierig werden. Außerdem müssen die neuen Modelle alle Reifendruckwarner haben, und das nervt, wenn man wie wir den Reifendruck dauernd dem Gelände anpassen muss.
Motor: 2.4 Liter mit Chiptuning auf 177 PS, 5 Gänge, Nestle-Gewindefahrwerk, verstärkte Nestle-Bremsanlage (unverzichtbar), alles an Allradsperren, was geht, besonders die luftbetätigten Frontlocks, dafür festinstallierter Kompressor – auch zum Reifenfüllen. Reifen 265/70 x 17 BFGoodrich All Terrain auf Schwerlast-Stahlfelgen, dazu Auflastung auf 3,3 t. Durchgehender Alu-Unterfahrschutz, Langsteckentank mit 140 Liter (hat uns schon gerettet). Ein Schnorchel darf auch nicht fehlen. Nicht nur wegen Wassers, sondern auch im Sandsturm unerlässlich. Und eine extra laute Hupe wegen entgegenkommender Kamikaze-Fahrer z.B. auf albanischen Serpentinenstrecken. (Nestle Testbericht) Nestle Logo
Die Placebo-Rückbank haben wir entfernt, dafür hat uns Christian Loh da hinten mit seinem Alu- und Dibondsystem da ein wunderbares Regal installiert, das in der Mitte eine Waeco-Getränkekühlbox aufnimmt. Unersetzlich in der Tropenhitze. Durch den Wegfall der Sitzbank ist es auch kein Problem, das Auto als LKW zuzulassen. Aber da sind wir auch schon an den beiden störenden Punkten: Durch die Zulassung als LKW ist hinten ein Unterfahrschutz vorgeschrieben, der den hinteren Böschungswinkel erheblich einschränkt. Der zweite Punkt ist die überaus lange Getriebeübersetzung. Das Auto ist schlicht nicht dafür gebaut, eine große und schwere Last über lange Strecken zu befördern. Da wir selten über 100 km/h fahren, könnten wir den fünften Gang auch absägen. Und beim Anfahren bei Steigungen ab 10% (das ist nicht viel) müssen wir stets schon die Geländeuntersetzung bemühen, um die Kupplung am Leben zu lassen. Das geht, aber es nervt. Nestle HiLux
Das Wichtigste steht schon oben: Sie ist stabil und dabei verblüffend leicht. Voll aufgerüstet dürfte sie bei ca. 550 bis 600 Kilo wiegen. Das wiegen andere in dieser Größe schon leer und bestehen dabei nur aus Latten, Kunststoff und Brettchen. Das einzige Holz der Exkab sitzt in der Tischplatte und in der Siebdruck-Bodenplatte. Die Aluhülle ist salzwasserfest. Also praktisch unkaputtbar. Außen befinden sich noch eine Heck- und eine große Seitenmarkise, die man auf beiden Seiten nutzen kann. Und vorn am „Alkoven“ ist auch aus Alu über die ganze Breite eine Kiste mit dreieckigen Querschnitt montiert. Darin steckt u.a. eine Zeltverdoppelung, die man bei großer Kälte vor das Dachzelt hängen kann, also als Thermoisolierung. Und noch viel Stauraum.
ExKab Innenausbau linksDas Dach ist klappbar und ebenfalls aus Riffel-Alu. Also begehbar. Es trägt zwei Reserveräder und Solarpanels für 180 Watt. Für den Haupthub sorgen zwei lange Gasdruckfesern, zur Unterstützung des Anfangshubs zwei kurze. Draußen haben wir umlaufende Airlineschienen, an denen vier GFK-Sandbleche hängen, zwei davon mit Klapptischfunktion. Dazu zwei Wasserkanister und eine eigens von C. Loh gefertigte Alubox für zwei uns wichtige Campingstühle. Der Mann macht auf Wunsch einfach alles, auch wenn er manchmal knurrt. So hat er uns in die Kabine ein wundervolles Digitalradio mit Lautsprechern im Dach eingebaut, nachdem er uns erst mal für verrückt erklärt hat. Damit sind wir beim Inneren: Das Augenfälligste sind die Stauelemente in Form von genormten Euro-Plastikkisten. Nicht gerade elegant, aber stabil, praktisch und in jedem Baumarkt zu ersetzen. Anfangs vergisst man gern mal, sie vor der Fahrt mit den genialen Verschlüssen zu verriegeln. Aber nur anfangs…
Das riesige Bett habe ich schon erwähnt. Im zusammengeschobenen Zustand sitzt man vor dem Bett in einer Sitzgruppe, die auf jeder Seite 80 cm Breite bietet. D.h., es geht auch einmal zu viert, wenn man keine Berührungsängste hat. Mit einem kleinen Klappstuhl sogar zu fünft. Nur eines geht nicht: Bei ausgezogenem Bett kann man da nicht mehr sitzen. Dafür geht man dann raus.
ExKab InnenausbauAls Kocher haben wir zwei Campingaz-Bivouac-Kartuschenkocher in die Arbeitsplatte setzen lassen. Für draußen am Tisch haben wir noch den Bistro-Kocher für die 250er-Kartuschen, den wohl jeder schon gehabt hat, der das Wort Camping kennt. Und als letzten Notnagel noch einen kleinen Kocheraufsatz für Stechkartuschen. Wenn es uns mal in Richtung wirklich exotische Länder treibt, dann werden wir einen Universalkocher für alle Brennstoffe (z.B. von Primus) anschaffen.
Eine kleine Spüle mit elektrischer Wasserpumpe gehört dazu, das Wasservorrat kommt aus zwei Normkanistern mit gesamt 32 Litern, das Abwasser läuft gerade unten raus. Da hängen wir dann einfach einen alten 5l-Kanister drunter, wenn erforderlich.
Die Solaranlage ist derart leistungsfähig, dass die Batterie noch nie unter 80% geraten ist. Sechs Bord- und USB-Steckdosen sind mehr als ausreichend. Einen 230V-Inverter hat C. Loh – auch hier nach putziger Meckerei – samt Steckdose installiert. Kleine, aber feine Sachen sind vier kräftige einzeln schaltbare LED-Leuchten, zwei fernsteuerbare Ventilatoren im Dach (genial in den Tropen!!!), eine ebenso fernbedienbare Außenleuchte am Heck. Die Trittstufe zum Eingang hat er so montiert, dass man sie mit zwei Handgriffen einfach abnehmen kann, um sie bei Geländefahrt nicht zu beschädigen.
Dusche gibt es drinnen natürlich nicht. Aber eine Außendusche wurde nicht vergessen. Und für den Notfall gibt es ein kleines Campingklo.
Die Webasto-Heizung hat wenig Mühe mit den paar Kubikmetern und ist höchst effektiv. Und: Sie arbeitet mit Diesel aus dem Fahrzeugtank. Praktisch.
 
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