Trackspatz auf Weltreise

deenfritptrues
Kamerahaufen
 
 
Natürlich haben wir in den vergangenen Jahren auf allen unseren Reisen viel fotografiert und gefilmt. Auch jetzt haben wir noch Unmengen an Super-8-Filmen und Videokassetten. Teils nie gesehen. Unsere grobe Aufteilung ist: Julie filmt, Werner fotografiert. Selbstverständlich auch im Wechsel. Aber alles eher spontan und unstrukturiert. Das soll anders werden: Ab der kommenden Reise wollen wir einen „Roten Faden“ erstellen und verfolgen. Wo immer möglich, werden wir einer Art „Drehbuch“ folgen. Dazu werden wir uns allerdings einer größeren Disziplin befleißigen müssen
Wir sind beide keine Profis, entsprechend „zurückhaltend“ fällt unsere Ausrüstung aus. Als Fotoapparat dient eine Systemkamera SONY NEX 5R, also eine Kamera mit Wechseloptik, aber eben keine Spiegelreflex. Sie bietet alles, was eine Spiegelreflex auch kann, und bei der Bildqualität muss sie sich mit ihrem Halbformatsensor auch nicht verstecken.
Sony Nex 5R Ich empfinde es als angenehm, nicht mit kiloschweren Reflexgehäusen und armstarken Telezoom-Tüten rumfuhrwerken zu müssen Außerdem (und das ist noch wichtiger: Auch von Personen, die ich fotografieren möchte, wird mein eher kleines Equipment viel, viel weniger bedrohlich wahrgenommen. Das ist Gold wert. Dazu gehören zwei Zoomobjektive, die (auf KB umgerechnet) ca. 28 bis 200 mm abdecken.
Das Klappdisplay ist komfortabel, und bei hellem Licht ist es ganz besonders schön, dass man auch den elektronischen Sucher nach oben klappen kann und so in Bodennähe fotografieren kann, ohne auf dem Bauch zu liegen. Soweit alles prächtig. Wir würden sie dennoch nicht wieder kaufen: Dadurch, dass der Sensor direkt wenige Millimeter hinter der Hinterlinse des Objektivs beim Objektivwechsel völlig frei liegt, ist er extrem staubempfindlich. Und gerade in Gegenden mit Sandwüste und Dünen bleibt es nicht aus, dass der Sensor heftig eingestaubt wird. Und da der Staub oft extrem fein ist, findet er sogar bei aufgesetztem Objektiv nach und nach den Weg in den Innenraum. Tagelang habe ich nach der letzten Reise Bilder ausgefleckt. Bis zu 30 sichtbare Flecken pro Bild. Katastrophal. Irgendwann holen wir uns noch eine sogenannte „Reisekamera“: Geschlossen, mit großem Brennweitenbereich und dennoch lichtstark.
Als „Reservekamera“ dient eine einfache, aber feine Canon-Kompaktkamera. Das war’s schon zum Fotografieren.
Wir filmen in 3D. Also räumlich. Dabei sind wir in der glücklichen Lage, noch einen 3D-Camcorder SONY HDR-TD 30 zu besitzen. Mittlerweile hat die Industrie diese Sparte praktisch eingestellt, und für Gebrauchtgeräte zahlt man jetzt Mondpreise.
Das Filmen in 3D will geübt sein. Sony HDR-TD 30 Viele Dinge, die man schon im „normalen“ Video höchst sparsam einsetzen sollte, funktionieren in 3D gar nicht: Fahrten, Schwenks, Zoom verwirren das Auge. Dafür ist das Ergebnis, wenn man dies berücksichtigt, höchst beeindruckend; besonders, wenn man es auf einem richtig großen Bildschirm anschauen kann.
Für synchrone Audioaufnahmen nutzen wir einen Digitalrecorder ZOOM H4n.
Na ja, und natürlich haben wir eine GoPro Hero-Actionkamera dabei. Mit einem Deppenzepter alias Selfiestick. Aber nicht für Selfies, sondern als Armverlängerung bei schwierigen Aufnahmesituationen.
Für den Camcorder haben wir uns jetzt noch einen sogenannten Gimbal angeschafft. Das ist eine Art Schwebestativ, bei dem die Kamera in einer kardanischen Aufhängung stabilisiert und weich geführt wird. Funktioniert fantastisch, nur ist man damit dann natürlich alles andere als unauffällig.
Dann kommen noch ein stabiles Stativ sowie ein wirklich handfestes Monopod, also Einbeinstativ, das auch als eine Art „Kranausleger“ dient. Als Beleuchtung auf unseren Reisen nutzen wir eine sehr leichte Videolampe von Neewer, die mit 160 LEDs bestückt ist.
Ja, und in Lauerstellung sind wir bei unserem neuesten Videogerät: Wir haben uns eine Kameradrohne bestellt, eine DJJ Mavic Pro. Die ist im Moment so gefragt, dass wir nun schon etliche Wochen darauf warten. In etwa zwei Wochen sollen wir sie haben. Darauf freuen wir und schon sehr: Damit kann man natürlich dynamische Aufnahmen machnen, die anders nie möglich wären. Nicht nur Flugaufnahmen, sondern ganz einfach von beliebigen Standorten aus.

Der Gimpel (auch als Dompfaff bekannt) steht auch als Begriff für Ungeschicklichkeit und Dummheit. Julie kann bezeugen, dass er NICHT vom Aussterben bedroht ist. Aber hier wollen wir etwas über unsere Ausrüstung erzählen. Und dazu gehört ein Teil, das ebenso neu wie genial ist: Das Gimbal.

Jeder kennt die armen Fernseh-Kameramänner, die ihre Kameras an um den Körper gegurteten Schwebestativen (Steadycams) rumschleppen. Die sollen Ruckeln und Wackeln von den Kameras fernhalten und nur weiche Bewegungen an sie weiterleiten. Wahre Monstergeräte, die durch Trägheit der verschieden positionierten Gewichte (!) Ruhe ins System bringen.

Ein Gimbal macht im Grunde dasselbe, aber kleiner und vielseitiger: Die Kamera bedindet sich mit dem Schwerpunkt in der Mitte einer kardanischen Aufhängung, bestehend aus drei Gelenken. Und diese Aufhängung wird durch hochpräzise Schrittmotoren gesteuert. Dadurch wird das ganze „Gelersch“ erst mal erheblich kleiner und leichter. Und durch die aktiven Antriebe kann man das System auch noch präzise steuern, und das Verhalten bei Bewegungen ist programmierbar. Z.B. kann der Kameramann sich beliebig um die eigene Achse drehen, und die Kamera schaut unbeirrbar stets in dieselbe Richtung.

Es gibt da aber ein gravierendes Problem: Die Kamera braucht ja Platz innerhalb der kardanischen Aufhängung, und da muss ihr Schwerpunkt präzise in die Gelenkmitte gebracht werden. Das schränkt die Möglichkeiten ein. Eine Canon EOS 1D mit 600er Teletüte passt da nicht, weder von den Abmessungen noch vom Gewicht her. Und da mittlerweile fast nur noch mit Spiegelreflex-Fotoapparaten gefilmt wird, sind fast alle Gimbals auch nur für solche Kameras ausgelegt. Kameras im Camcorderformat sind vom Längsformat und von der Schwerpunktlage her in diesen Stativen nicht verwendbar. Irgendwo stoßen die immer an, und das Sucherdisplay kann man sowieso nicht mehr ausklappen. Und unser 3D-Camcorder hat eben dieses Format. Sch … aber auch!

Aber halt: Einen gibt es, mit dem das doch geht: Der Came-TV Optimus ist gerade so dimensioniert und dass es kollisionsfrei abgeht.Optimus mit Sony HDR-TD30 Wenn man ein wenig trickst. Wir haben uns ein Stahlklötzchen mit genau 113 Gramm angefertigt und mit Klett an der Kamera befestigt. Perfekt. Und da diese mit unterschiedlich großen und schweren Akkus betrieben werden kann, haben wir dafür auch noch ein Ausgleichsgewicht angefertigt. So muss man beim Akkuwechsel nicht immer das System neu ausbalancieren. Außerdem hat dieses Gimbal keinerlei Anschläge, sondern kann sich völlig frei in jeden beliebigen Winkel drehen. So kann man – auch während des Filmens – die Griffe einfach nach oben drehen, um in Bodennähe weiterzufilmen. Und vieles andere mehr.

Und die Praxis? Atemberaubend. Mit dem Optimus kann man praktisch seinen eigenen Hürdenlauf filmen, ohne beim Betrachten seekrank zu werden. Wackler werden völlig eliminiert, und trotzdem kann man die Kamera präzise führen. Man kann das System auch irgendwo hinstellen und per Fernsteuerung die Kamera in jede beliebige Richtung drehen.

Zwei Wermutstropfen: Unauffällig ist man mit dem Teil nun wirklich nicht. Und so mancher, der dann in einem einen professionellen Filmer vermutet, wird wohl eher abwehrend reagieren, wenn man ihn aufnehmen möchte.

Na ja, und zweitens: Das Gimbal Optimus in dieser Qualität kostet deutlich mehr als der 3D-Camcorder selbst. Aber der Qualitätsgewinn bei Aufnahmen ohne festes Stativ ist einfach gigantisch.

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Optimus mit Sony HDR-TD30