Trackspatz auf Weltreise

Reisebericht Bulgarien

Reisebericht Bulgarien

Nachtrag unserer Fahrt durch Bulgarien vom 14. bis zum 20. September 2017.

Unsere Fahrt durch Bulgarien soll recht kurz werden. Der Kalender zeigt den 14. September 2017. Der Winter naht und vor uns liegt noch eine sehr lange Strecke. Nur eine Woche wollen wir uns in Bulgarien aufhalten.

1. Felsenkirchen von Ivanovo
2. Festung Cherven
3. Felsenreiter
4. Wasch- und Frisörtag
5. Versteinerter Wald
6. Varna
7. Nessebar
8. Die Blauen Steine
9. Kettenfahrzeug

Video:
Bulgarien Drohnenflug
Bulgarien Drohnenflug


Aus Rumänien kommend überqueren wir mitten auf der Donau die Grenze nach Bulgarien. Auf einer Brücke natürlich. Giurgiu und Russe heißen die Ortschaften dort im jeweiligen Land. Aus- und Einreise verlaufen problemlos. Pässe zeigen und durch. Mit der vorgeschriebenen Vignette für alle Straßen wird es allerdings etwas chaotisch. Bulgarien nutzt kyrillische Schriftzeichen. Da kann man noch nicht einmal erahnen, was da so geschrieben steht. Und dann will man uns noch beim Vignettenverkauf an einer Tankstelle übers Ohr hauen. Aber nicht mit uns. 15 Euronen blätterten wir schließlich hin.
Bulgarien ist wie Rumänien EU-Land, jedoch mit eigener Währung. In Russo zapfen wir also erst einmal ein paar Bulgarische Kröten aus einem Automaten. Lew heißt die Währung. Für einen Euro bekommen wir etwa zwei Lew.

Felsenkirchen von Ivanovo

Im Reiseführer finden wir ein erstes Highlight, das wir uns anschauen wollen. Die Felsenkirchen von Ivanovo. Das ist ein orthodoxes Kloster in eine Felswand gehauen. Unesco Weltkulturerbe. Das Kloster ist durch Eremiten entstanden, die natürliche Höhlen über viele Jahre mit Gängen verbanden und Höhlenwohnungen in die Felswand schlugen. Die uralten Fresken an den Wänden und Decken sind schon ein paar Fotos wert, und der Ausblick aus einem Balkon schwindelerregend.
Wir sind nicht die einzigen Besucher dort. Eine Bus-Reisegruppe beschwärmte die Räume bereits vor uns. Deutsche. Die sind wohl überall. Wie eine Pest. Aber das hat nun immerhin den Vorteil, dass wir etwas von der Deutschsprachigen Führung mitbekommen. Kostenlos. Wir outen uns nicht als Deutsche.

Felsenkirche in die Felswand gehauen. Der Zugang führt über Treppen in das Höhleninnere
Felsenkirche in die Felswand gehauen. Der Zugang führt über Treppen in das Höhleninnere.

Im Inneren der Felsenkirche mit Sicht auf den Balkon zur Felswand
Im Inneren der Felsenkirche mit Sicht auf den Balkon zur Felswand.

Eine der Fresken der Kirche - hier das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern.
Eine der Fresken der Kirche - hier das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern.

Festung Cherven

Vielleicht 10 Kilometer weiter südlich liegt die mittelalterliche Festungsstadt namens Cherven. Eine Ruinenfestung. Viel davon ist nicht mehr übrig. Seine Blütezeit erreichte Cherven im 14. Jahrhundert. Eine der wichtigsten Siedlungen des alten Bulgarischen Reiches. Zerstört wurde die Festungsstadt durch die Osmanen und später auch durch die Türken. Vollständig aufgebaut wurde die Stadt nach den Zerstörungen nie wieder. Sie war eher dem allmählichen Zerfall unterlegen.

Wir erklimmen 235 Stufen. Eigentlich sind wir doch zu alt für den Kack, meint Zausel. Er ringt nach Luft. Seine Lunge pfeift. Ich habe mit dem Aufstieg keine Probleme, ha! Ich trete nur andauernd auf meine herunterhängende Zunge. Sind die Leute, die früher hier wohnten, ständig rauf und runter gerannt? Naja, die sind ja auch nicht sehr alt geworden. Wir werden oben mit einem schönen Ausblick empfangen.

Wir haben Goni, unsere Drohne mit dabei. Nach eingehender Inspizierung der Ruinen lassen wir sie kreisen. So bekommen wir einen Eindruck über die Größe der ehemaligen Stadt und Ansichten, die wir zu Fuß nicht erlangen würden. Das Wetter ist exzellent, strahlend blauer Himmel.
Unten am Parkplatz kommen wir mit dem Parkwächter ins Gespräch. Er ist fasziniert von unseren Unternehmungen und lädt uns ein, hier auf dem Parkplatz zu übernachten. Er will uns sogar einen Schlüssel für seine Toilette ausleihen. Doch wir möchten lieber ins Grüne und morgen Früh nicht von Touristen gestört werden.

Cherven Festungsanlage mit der Drohne aufgenommen
Cherven Festungsanlage mit der Drohne aufgenommen.

Teile der Festungsanlagen werden wieder restauriert
Teile der Festungsanlagen werden wieder restauriert.

Felsenreiter

Wir fahren nach Osten, grobe Richtung: Schwarzes Meer. In Schumen gehen wir einkaufen. Im Kaufland. Ja, in Bulgarien gibt es Lidl und Kaufland.
Aber unser Ziel ist der Reiter von Madara. Madara selbst ist eine Ortschaft und eine Festung auf einem Felsmassiv. Unterhalb dieser Festung befindet sich in der 100 Meter abfallenden Felswand ein in Stein gehauener Reiter. Einfach als Relief aus dem Felsen herausgemeißelt. Auch ein Weltkulturerbe. Soll in Bulgarien einmal der Euro eingeführt werden, wird auf dem 1-Euro Stück dieser Reiter zu sehen sein.

Mit 10 Lew sind wir dabei. Wir klettern die vielen Stufen zum Felsmassiv hoch. In dem riesigen Felsmassiv wirkt der Reiter unscheinbar. Steht man davor, wird man von dem 23 Meter hohen Monumental-Gebilde doch überwältigt.
Ein Rundweg führt zu einer Felsenkirche und einer großen Höhle, in welcher im Sommer Konzerte gegeben werden. Das hochkraxeln zur Festung ersparen wir uns, denn wir haben ja eine Drohne. Wir entfernen uns etwa einen Kilometer weit von der Felswand und lassen die Drohne steigen. Anschauen können wir uns das ja dann zuhause laughing

Der berühmte Felsenreiter soll auf der kommenden 1-Euro Münze erscheinen
Der berühmte Felsenreiter soll auf der kommenden 1-Euro Münze erscheinen.

Waschtag

Wir übernachten auf einer Alm. Mit wunderschöner Aussicht. Wir setzen uns raus und trinken erst einmal einen Absacker. So nennen wir unser abendliches Ritual. Andere Leute beenden so ihren Abend, wir beginnen damit. Mit einem Cocktaildrink. Das ist aber meist so harmloses Zeugs wie San Pellegrino Cocktail. Schmeckt aber unglaublich gut. Meist mixe ich mir aber selber etwas zusammen.

Früh morgens schaue ich dann aus dem Fenster und traue meinen Augen nicht. Das ganze Tal ist mit Zuckerwatte bedeckt. Fantastisch. Das reißt uns aus den Federn.
Aber so schön, wie der Tag angefangen hat, so unbarmherzig geht er weiter. Heute ist Waschtag. Und Frisörtag. Ich habe gestern ja bereits den Waschkanister mit Wäsche und Waschmittel gefüllt. Wie wir unsere Wäsche waschen, haben wir euch ja bereits hier schon vorgestellt: „Wäsche waschen“. Die harte Arbeit kommt mit dem Ausspülen der Wäsche. Da bekommt man Muskeln!

So wacht man gerne auf... mit Zuckerwatte.
So wacht man gerne auf... mit Zuckerwatte.

Wäsche auswringen bringt Muskeln
Wäsche auswringen bringt Muskeln.

Zum Haareschneiden könnte man ja einfach mal zum Frisör gehen. Sowas kostet hier nicht viel. Aber wie vermittelt man dem Frisör auf Bulgarisch, wie es nachher aussehen soll? Lass dich überraschen? Ach… das können wir auch selber. Das Ergebnis wird sicher zur Überraschung, aber mit mehr Spaß. Also Schere raus und ran. Wächst ja wieder!

Ist doch gar nicht so schlecht geworden, oder?

Die Frisur vorher und nachher...
Die Frisur vorher und nachher...

Versteinerter Wald

Frisch geschniegelt verlassen wir diesen schönen Hügel und machen uns zum Schwarzen Meer, nach Varna. Kurz vor Varna gibt es den „Versteinerten Wald“. Hat nichts mit Bäumen zu tun, sind nur hunderte von großen, meist hohlen, Steinsäulen. Am Eingang erklärt ein Schild, dass von den Säulen eine starke Energie ausgeht, die in den Menschen negative Energien absaugt. Man muss die Säulen dazu lediglich umarmen. Besonders wirksam ist dies, wenn man es barfuß tut. Wir amüsieren uns. Wer fährt schon auf solchen Schwachsinn ab?
Dann kommt ein Reisebus mit vielen Menschen, von denen fast alle plötzlich Steinsäulen in die Arme nehmen und dazu mit ihren Schuhen in der Hand barfuß das Gelände durchstreifen. Das erste Mal seit Jahren verspüren wir das leise Bedürfnis, Schuhe zu tragen...
Wie hoffnungslos lässt sich doch die Menschheit veräppeln!
Wir lernen noch ein (nach eigenem Bekunden katholisches!) Paar aus Niederbayern kennen, das mit dem vollen Programm der Esoterik unterwegs ist: Energie aus Stonehenge und jetzt hier, Wasseradern, Elektrosensitivität, Wünschelruten, Magnetresonanzen usw. usw. Wir flüchten. Barfuß - und es war uns peinlich.

Der Versteinerte Wald - gibt Energie ohne Ende...
Der Versteinerte Wald - gibt Energie ohne Ende...

Umarmungen
Umarmungen.

Varna

Am nächsten Tag besuchen wir einen Gottesdienst in Varna. Eine Baptisten-Gemeinde namens „First Baptist Church“. In Bulgarien gibt es unglaublich viele und große Baptisten-Gemeinden. Die Parkplätze in der Nähe der Kirche sind rar. Und da die Gegend als nicht so besonders sicher gilt, lässt der Pastor uns auf dem abgeschlossenen Kirchengrundstück parken. Wir erleben einen sehr frischen uns fröhlichen Gottesdienst. Und dann passiert es. Putzengel.

Das erste Bild unseres Fahrzeugs kennt ihr ja schon. So sah Felix heute Morgen noch aus. Als wir nach dem Gottesdienst zu unserem Auto kommen, trauen wir unseren Augen nicht: Felix strahlt piekfein frisch gewaschen und gebügelt, wie wir ihn seit Wochen nicht gesehen haben. Irgendjemand hat da während des Gottesdienstes hart gearbeitet, und wir wissen nicht, wer.
Einzige Erklärung: Von Putzteufeln haben wir ja schon gehört. Vielleicht gibt es ja auch Putzengel?

Unser Felix vorher und nachher...
Unser Felix vorher und nachher...

Varna ist eine recht hübsche Küstenstadt mit Seehafen. Varna ist die drittgrößte Stadt Bulgariens und das Tor zu den Touristischen Hochburgen im Norden der Stadt. Die Ortschaft „Goldstrand“ ist derart überlaufen, dass alle Zufahrten des Küstenstreifens nur noch mit Genehmigung zu befahren sind. Hotelburgen versperren die Sicht auf den „Gold“-Strand.

Varna - Der Seehafen am Schwarzen Meer
Varna - Der Seehafen am Schwarzen Meer.

Wirklich interessant, das mal anzuschauen, aber nur schnell weg von hier. Trotz Nebensaison werden wir fast totgetreten. Puuh. Doch eine Stunde später sitzen wir urgemütlich im Süden von Varna ungestört an einem wunderschönen Strand des Schwarzen Meeres. „Jetzt kann der Urlaub beginnen“, sage ich und zaubere uns einen  leckeren Absacker-Cocktail. Zwei Tage bleiben wir hier und machen Urlaub vom Urlaub. Haben wir ja auch mal verdient, oder? Ich backe Dinkel-Brot im Omnia-Backofen und wir plantschen im Wasser wie die Kinder. Richtig: ich mache Mousse au Chocolate. Wozu haben wir einen Mixer dabei? Ja, ist für Camper schon etwas Degoutant…

Endlich mal Urlaub (vom Urlaub) - Am Schwarzen Meer
Endlich mal Urlaub (vom Urlaub) - Am Schwarzen Meer.

Nessebar

Im Süden von Bulgarien gibt es noch so eine grausame Touristenhochburg. Hier heißt der Küstenstreifen „Sonnenstrand“. Das schauen wir uns aber nicht an, sondern die Altstadt von Nessebar. Unesco Weltkulturerbe. Die Altstadt liegt auf einer kleinen Insel, erreichbar über einen Isthmus. Der Touristenandrang hält sich in Grenzen und wir schlendern im Zick-Zack einmal durch die ganze Stadt. Die alten Gebäude und die vielen Kirchen sind wirklich sehenswert. Ein Bauwerk ist berühmter als das andere… Die Kirche des Johannes des Täufers ist ein besonderes Schmuckstück.

Nessebar - Die Byzantinische Stadtmauer
Nessebar - Die Byzantinische Stadtmauer.

Nessebar - Die "Christus Pantokrator" Kirche
Nessebar - Die "Christus Pantokrator" Kirche.

Die Blauen Steine

Eigentlich könnten wir in einer knappen Stunde die Türkische Grenze überqueren. Aber wir machen noch einen Schlenker in die Berge, zu den Blue Stones bei Sliven, dem Naturpark der „Blauen Steine“. Seinen Namen verdankt der Naturpark dem bläulich-lila Schimmer der Steine. Wir erklimmen irgend so einen Gipfel und betrachten uns die Felsen von oben.

Die Blauen Steine
Die Blauen Steine.

Kurz vor der Türkischen Grenze übernachten wir ein letztes Mal in Bulgarien. Auf einem seltsam angelegten alten Militärflughafengelände südlich von Jambol.

Ciao Bulgarien. Es war schön hier. Wir kommen wieder.
Bulgarien hat uns sehr positiv überrascht. Sehr positiv. Bisher hatten wir einen völlig falschen Eindruck von diesem Land. Bulgarien ist ein erstaunlich aufgeschlossenes westliches Land. Die Menschen sind sehr gastfreundlich. Wir haben uns stets sehr sicher gefühlt. Und sie lieben das Offroad-fahren. Das sieht man an den vielen wilden Spuren, die wirklich fast durch jedes Gelände führen. Auch so etwas gibt es da:

Kettenfahrzeug - Damit fahren wir dann "Real Offroad"...
Damit fahren wir dann "Real Offroad"...

Julie

Geschrieben von : Julie

Hinweis
Eingegebene Kommentare sind nicht sofort sichtbar.
Der Trackspatz guckt immer erst mal drauf, ob's sich nicht schon wieder um Werbe-Spam handelt

Kommentareingabe einblenden
Trackback URL
­