Trackspatz auf Weltreise

Reisebericht Rumänien

Reisebericht Rumänien

Bei Sculeni überqueren wir am 24. August die Grenze von Moldawien nach Rumänien. Wir fahren zur nächsten größeren Ortschaft namens Bacau und betanken erst einmal unseren Felix. In Moldawien hatten wir aufgrund des angeblich schlechten Diesels nicht getankt.

Und schon sticht uns ein Stück Heimat ins Auge: Lidl. Gierig decken wir uns mit den uns bekannten Fressalien ein. Obwohl das Essen in Moldawien und in der Ukraine sehr gut war, tut es doch wieder gut, Altbekanntes den Gaumen langrutschen zu lassen.

Felix in Rumänien

Durch Rumänien fahren wir ja auch deshalb, weil auch wir uns ein paar schöne Offroad-Tracks durch die Karpaten reinziehen wollen. Dazu haben wir uns Offroad-Streckenbücher von MDMOT besorgt. Also los.
Die erste Strecke beginnt in der Nähe von Onesti. Eine bewaldete und leichte Strecke, zum Eingewöhnen.

Erdölpumpe in den Karpaten

In Rumänien gibt es Erdöl. In den Karpaten. Immer wieder stößt man auf frei zugängliche, ungesicherte Pumpen. An einer schön gelegenen Pumpe lassen wir unsere Drone fliegen und betrachten das Ganze mal von oben.
Hier schlagen wir auch unser Nachtlager auf. Alles riecht ein bisschen nach Erdöl, aber nach einer Weile haben wir uns daran gewöhnt. Gaaanz vorsichtig zünden wir unseren Gaskocher an… Glück gehabt, es gibt unvermutet keine Explosion.

Stinkendes Erdöl

Und auch unvermutet kommt plötzlich ein Deutsches Fahrzeug an unserem Rastplatz vorbei. Mit Gegröle. Hallo? Die kennen uns? Ja klar, Dieter und Katja Sturm mit ihrem Nissan Expeditionsmobil. Was ein Zufall. Mit den Beiden saßen wir vor zwei Jahren am Lagerfeuer bei einem Wohnkabinentreffen in Großheringen/Thüringen. Die Beiden hatten inzwischen den Karpatenring fast vollständig umrundet.

Dieter und Katja Stum

Rumänien ist ein Christliches Land. Es gibt unzählige wunderhübsche Kirchen. Die schönsten gehören zur Orthodoxen Glaubensrichtung. Doch es gibt auch unerwartet viele Protestanten. In fast jedem größeren Dorf findet man auch eine freikirchliche Gemeinde.

Orthodoxe Kirche

Orthodoxe Kirche

Im Tal des Flusses Uz befindet sich eine Ortschaft, die in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach zur Geisterstadt mutierte. Und Soldatenfriedhöfe zeugen von Kriegsschauplätzen des Uz-Tales während des ersten Weltkrieges. Inzwischen befindet sich hier nur noch ein Freizeitcamp, in welchem im Sommer historische Feste in Trachten gefeiert werden.

Kriegsgräber im Uz-Tal

Historische Reiter im Uz-Tal

Es sollen ja viele Bären in den Karpaten herumlaufen. Uns begegnet keiner. Offensichtlich haben die viel zu viel Schiss vor uns. Vielleicht verstecken sie sich auch vor den Vampiren, denn wir befinden uns in Transilvanien.

Rumänen mit plattem Reifen


Dafür gibt es gestrandete Rumänen. Ein paar davon versuchen an ihrem Ford Transit in einer einsamen Gegend einen platten Reifen wieder fit zu machen. Sportlich schrauben sie ihr Ersatzrad an die Karre. Dieses hat nur ein Problem: die Luft ist raus. Und womit pumpt man nun den Reifen auf? Keine Sorge, rein zufällig kommen ein paar Germanen vorbei, also wir, und spendieren ein bisschen Luft von ihrem Kompressor.
Sie bedanken sich mit einem kleinem Fest, bestehend aus Hammelsteaks und selbstgebranntem Sprengstoff. Den hochprozentigen Sprengstoff lehnen wir allerdings dankend ab.

Captain Zausel

Wir fahren den Nordring der Karpaten weiter nach Westen in Richtung Cluj. Rechts taucht ein außergewöhnlich schönes Holzgebäude auf. Eine alte orthodoxe Kirche komplett aus altem schwarzen Holz. Das müssen wir uns ansehen.

Holzkirche

Der Gottesdienst geht gerade in diesem Moment zu Ende. Ein paar ältere Frauen stiefeln aus der Kirche und reichen uns prompt Obst, Brot und Wein, das von ihrem Abendmahl übriggeblieben ist. Ein herzlicher Moment. Wir lernen den Priester kennen. Ein junger Priester, der voll und ganz in seinem Amt aufgeht und „seine“ Kirche liebt. Überraschend modern ist er trotzdem. Als wir ihm unsere Reisekarte geben, zückt er sein Handy und loggt sich in unsere Facebookseite ein und spendiert uns ein Like.

Priester der Holzkirche

Wir erreichen die Bicaz Gorges, eine durchfahrbare Schlucht. Wir schnallen unsere GoPro ans Fahrzeug und fahren einmal hindurch. Unweit davon liegt der rote See. Dieser ist wirklich rot. Manchmal. Eine chemisch-biologische Reaktion, durch einen vergangenen Erdrutsch hervorgerufen, färbt das Wasser rot. Bei uns ist er nicht rot.

Der Rote See

Gut besucht ist der See trotzdem, mit vielen Verkaufsbuden. Hier essen wir das erste Mal in unserem Leben Langosh und Baumstriezel. Das schmeckt vielleicht lecker. Wir essen so viel davon, dass uns fast schlecht wird.

So werden Baumstrizel gemacht

Baumstrizel sind lecker

Langosh sind auch nicht schlecht

Langosh schmecken auch dem Zausel

In Vama stoßen wir auf eine weitere Kuriosität: ein Eiermuseum. 3000 bemalte Eier aus aller Welt sind hier ausgestellt. Wir berichteten bereits hier davon.

Eiermuseum

Wir streifen die ukrainische Grenze im Abstand von etwa 3 Kilometern und folgen immer noch den Offroad Tracks von MDMOT. Hier gibt es Unmengen von Pilzen. Für unser Abendessen kaufen wir direkt von Pilzesammlern eine Tüte voll ab.

Pilze direkt von Pilzesammlern

Wäsche waschen ist mal wieder angesagt. Also Wäscheleine aufgespannt. Wie man auf solch einer Reise Wäsche waschen kann, haben wir mal hier zusammengefasst.

Waschtag

Rumänien hat ein hervorragend ausgebautes Internet. Da kann sich Deutschland eine Scheibe davon abschneiden. Es gibt praktisch überall auch mobiles Internet, mindestens 3G. Die Bits und Bytes kann man direkt an der Verkabelung der Leitungsmasten verfolgen…

Internetleitungen in Rumänien

In einem kleinen Museum in Mocira entdecken wir ein ganz süßes Museum. Eine knuddelige Dame in alter Tracht zeigt uns liebevoll, wie das Leben vor langer Zeit hier von statten ging.

Webstuhl

Wir befinden uns nun in Siebenbürgen und erreichen Cluj, die zweitgrößte Stadt Rumäniens. Der Verkehr ist dicht. Es ist Wochenende. Also suchen wir uns eine Kirche zum Sonntag und stellen dabei fest, dass es auch eine ganze Reihe Baptisten-Gemeinden gibt. Auch eine Megachurch mit bis zu 1000 Besuchern. Wir entscheiden uns für eine kleinere, die eine Synchronübersetzung ins Englische anbietet.
Nach dem Gottesdienst lädt uns eine Familie zum Mittagessen ein und wir erleben einen sehr netten Tag. Als wir uns am späten Nachmittag wieder verabschieden, werden wir überschüttet mit selbstgemachter Marmelade, Sirup, Gemüse, Relish und Anderem. Das erleben wir immer wieder im östlichen Europa und macht uns immer wieder sprachlos.

Familie in Cluj

Ein Unwetter zieht auf und es stürmt und regnet in Strömen. Ein Wolkenbruch. Als wir zu unserem Nachtlager auf einer Wiese fahren wollen, rutschen wir vom Weg ab und schliddern rückwärts im Schlamm den Hang wieder hinunter. Die Radkästen und Felgen unseres Fahrzeuges sind derart voll von dickem Lehm, dass wir danach nur noch maximal 40 Stundenkilometer schnell fahren können. Die entstandene Unwucht der Räder schüttelt das Fahrzeug unglaublich durch. Wir schaffen es nicht, den Dreck zu beseitigen und fahren in eine Waschanlage.

Trackspatz Patina

Nun stellt sich ein quietschen am linken Vorderrad ein, das so laut ist, dass sich Fußgänger nach uns umdrehen. Dieses Problem schleifen wir nun schon seit Tunesien mit uns herum und noch keine Werkstatt konnte den Fehler, da er bisher immer nur temporär auftrat, lokalisieren. Die Toyota-Werkstatt in Cluj befreit uns endlich von dem Gequietsche.

Toyota Werkstatt in Cluj

Im Apuseni National Park befindet sich eine Eishöhle. Das müssen wir uns natürlich ansehen. Normalerweise sollte man diese Höhle im Frühjahr besuchen, wenn sich noch wirklich viel Eis in der Höhle befindet. Für uns ist aber noch genügend Eis da. Und wir haben den Vorteil, dass wir fast alleine drin sind und uns nicht dauernd Touristen aus Japan ins Bild laufen.

Zausel kommt aus der Eishöhle

Zausel in der Eishöhle

Die Gegend wird nun immer Deutscher. Das wussten wir nicht. Es gibt in Siebenbürgen unzählige Ortschaften mit deutschen Namen, die auch auf den Ortsschildern geschrieben stehen. Ständig fahren wir an urdeutschen Kirchen vorbei und besuchen auch mal eine. Und stellen fest, dass sie auch von Deutsch sprechenden Menschen erhalten und verwaltet werden.

Deutsches Ortsschild von Weidenthal

Resita, eine Ortschaft im Resita Nationalpark, aufgrund einer großen Lokomotivenfabrik einst eine blühende Stadt ist nun eher ein Eisenbahnmuseum.  Unzählige, in Rumänien entwickelte Lokomotiven sind frei zugänglich auf einem alten Bahnhofsgelände abgestellt. Heute werden dort keine Loks mehr gebaut.

Lokomotiven in Resita

Kurz darauf befinden wir uns wieder im Dreck. Auf vermatschten Waldwegen. Auf richtig vermatschten Waldwegen. Plötzlich fällt der Weg, mit einem Meter tiefen Schlammfurchen so steil ab, dass wir befürchten müssen, hier nicht mehr hochfahren zu können, sollten wir doch irgendwann umdrehen müssen. Also drehen wir jetzt um… und bleiben prompt in einer Furche stecken, die wir vorhin noch ohne Probleme meisterten. Wir sitzen bis auf die Achsen im Schlamm fest. Fahrfehler.
Also müssen wir graben.
Kurz bevor wir das Fahrzeug wieder frei bekommen, kommt ein Radlader der Waldarbeiter vorbei. So machen wir es uns bequem und lassen uns einfach wieder aus dem Schlamm herausziehen.

 Julie prüft die Schlammtiefe

Ein Radlader kommt uns zu Hilfe

Ein Radlader zieht den Felix aus dem Schlamm

Der Felix in schöner Patina

Die Berge werden höher. Einmal übernachten wir auf über 2000 Meter Höhe. Sehr kalt ist es da oben. Wir fahren der Transalpina-Straße entlang, die über die Berge nach Hermannstadt führt. Sibiu heißt diese Stadt nun auch. Ein Kirchturm einer deutschen Kirche überragt das ganze Stadtzentrum.
Wir nehmen an einem urdeutschen Gottesdienst teil. Wir zählen zu den jüngsten Besuchern, und das will was heißen.

 Evangelische Kirche in Hermannstadt

das Gesangsbuch der Kirche in Hermannstadt

Hermannstadt ist wunderschön. Wir bummeln durch die Stadt und suchen ein Straßencafé auf. Prompt kommen wir in tief religiöse Gespräche mit einem orthodoxen Amerikaner, der hier lebt. Das Gespräch driftet ab und wir landen in noch tieferer Philosophie. Wir flüchten.

Ein Bummel durch Hermannstadt

Impressionen aus Hermannstadt

Die wohl interessanteste und bekannteste Passstraße Rumäniens ist der Transfagarasan. Unzählige Serpentinen schrauben sich im Postkartendesign hinauf… und wieder nach unten. Wirklich wunderschön anzusehen. Auf der Passhöhe befindet sich ein romantischer See. Und drum herum befinden sich unzählige Kitschbuden für Touristen. Einem Baumstriezel können wir allerdings nicht widerstehen.

Der Transfagarasan Pass

Wieder unten im Tal angekommen mehrt sich das verlassene und verarmte Altertum. In fast jedem Dorf befindet sich eine Kirchenburg. Also, eine burgartige Kirche mit Wehrtürmen und Schießscharten. Die meisten davon sind deutschen Ursprungs. Wir bekommen eine Vorstellung, wie damals die Christenverfolgung in dieser Gegend aussah.

Kirchenburg

Kirchenburg Wehrturm

Kirchenburg innen

Die Dörfer sind malerisch bunt, wir fühlen uns um 100 Jahre zurückversetzt. Junge Menschen sieht man kaum. Die Jugend sieht hier keine Zukunft, es gibt keinerlei Industrie. Die Menschen sind verarmt und die meisten Kirchen verfallen.
Vielleicht liegt es ja auch an den Vampiren und an Graf Dracula, der hier ganz in der Nähe gewohnt hat.

Dorganger

Dessen Schloss Bran, also das Dracula-Schloss, steht in XXXXBran. Nun wird es gruselig. Denn auch wir trauen uns ins Schloss. Mehr Furcht flössen uns allerdings die vielen Touristen aus aller Welt ein. Japaner, wohin man auch nur schaut. So bekannt ist dieser schreckliche Dracula also gewesen.
Allerdings sagt man hinter vorgehaltener Hand, Graf Dracula hätte hier nie gewohnt.
Mehr über unseren Besuch in diesem Schloss haben wir bereits hier veröffentlicht.

Draculas Schloss Bran

Unsere letzte Station in Rumänien soll Bukarest sein, die Hauptstadt von Rumänien. Eigentlich eine recht schöne Stadt. Aber uns interessiert hauptsächlich der Palast von Ceausescu. Der Bau eines Größenwahnsinnigen, der sein Volk bei 12 Grad maximal Temperatur im Winter in ihren Häusern frieren ließ, damit sein Palast bezahlt werden konnte.

Der Palast von Ceausescu

Ein Palast für fast eine einzige Person. Steht man vor dem gigantischen Palast und dreht sich um, steht man vor ähnlich gestalteten Gebäuden für die Bediensteten. Schmucke Gebäude von Horizont zu Horizont.

Die Gebäude der Bediensteten von Ceausescu

Fassungslos verlassen wir Bukarest und erreichen am nächsten Tag, am 14. September Bulgarien.

Julie

Geschrieben von : Julie

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